Film Screenings
In Zusammenarbeit mit Meredyth Sparks

Rainer Werner Fassbinder
Die Dritte Generation
D 1978/79, 110’

Eine Gruppe gelangweilter junger Leute im Westberlin der späten 1980er Jahre, durch Geheimnistuerei und blinden Aktionismus statt politischer Überzeugung miteinander verbunden, übt sich im Terrorismus, ohne zu bemerken, dass sie selbst von der gängigen Ideologie manipuliert wird. Am Karnevalsdienstag gipfeln ihre Aktivitäten – in Anlehnung an den Fall Hanns-Martin Schleyer - in der Entführung des amerikanischen Computer-Managers Peter Lurtz. "Eine Komödie in sechs Teilen um Gesellschaftsspiele voll Spannung, Erregung und Logik, Grausamkeit und Wahnsinn, ähnlich den Märchen, die man Kindern erzählt, ihr Leben ertragen zu helfen" (RWF).


Chris Marker
L’Ambassade
F 1973, 21’

Chris Markers Kurzfilm L’Ambassade ist eine Reaktion auf Augusto Pinochets Militär-Putsch am 11. September 1973 in Chile, dessen Machtübernahme mit massiven Bombardements des Präsidentenpalastes und dem Tod Salvador Allendes einherging. In der französischen Botschaft in Santiago de Chile – wie es zunächst scheint – haben sich politische Flüchtlinge auf improvisierten Bettenlagern eingefunden, die ihre lebensbedrohliche Situation mit Warten, Schachspielen und dem Verfolgen der Fernsehnachrichten verbringen. Mit Super-8 Kamera filmt und kommentiert einer von ihnen ihre Lage bis zur Freilassung. Dass Marker erst mit der letzten Einstellung den Ort der Handlung preisgibt zeigt, wie anhand einfacher Bildregie und Inszenierung Fälschung zum Dokument (von Verzweiflung) werden kann.


Klaus vom Bruch
Das Schleyerband
I/II, D 1977, ca. 112’

Das Schleyerband skizziert in einer langen Kette von Fernsehmitschnitten ein Sittenbild der Bundesrepublik Deutschland in der Zeit zwischen September 1977 und Juni 1978. Die Entführung und Ermordung des deutschen Industriellen Hanns-Martin Schleyer durch die RAF-Terroristen sowie der kollektive Selbstmord in der Haftanstalt Stuttgart-Stammheim erschüttern das öffentliche Bewusstsein in Deutschland. Klaus vom Bruch verdichtet das dokumentarische Material so, dass das Medium Fernsehen – immerhin das Medium, das die Erinnerung an die Zeit des RAF-Terrorismus maßgeblich bestimmt – selbst zum Gegenstand wird. Nicht die Ereignisse, sondern die Darbietungsform, nicht der Terror, sondern die Stimmungen werden erneut in Bewusstsein gerufen.


Adam Small / Peter Stuart
Another State of Mind
USA 1984, 78’

Another State of Mind dokumentiert die erste gemeinsame Tournee der kalifornischen Punk Bands Social Distortion und Youth Brigade im Sommer 1982 durch die USA und Kanada. Die Protagonisten sind zwanzig-jährige Punks, die angespornt durch Ideale von Unabhängigkeit und Freiheit mit einem alten Schulbus Tausende von Kilometer bereisen, um in kleinen Clubs und Bars aufzutreten und ihren Traum vom Leben ‘on the road’ zu verwirklichen. Auch wenn die Tour scheitert drückt der Film eine enorme Aufbruchstimmung aus, die in der Szene der 80er Jahre vorherrschte. Anhand zahlreicher Interviews zeichnen Adam Small und Peter Stuart ein realistisches Porträt dieser kulturellen Gegen-Bewegung einschließlich der massiven gesellschaftlichen Vorurteile und Diskriminierungen, die ihnen entgegengebracht wurden.


Stacy Peralta
Dogtown & Z-Boys
USA 2001, 91’

Stacy Peralta beschreibt in diesem Dokumentarfilm die Entstehung der Z-Boys, einem berühmten Skateteam der amerikanischen Westküste aus den 1970er Jahren. In dem einst glänzenden Unterhaltungsbezirk von Venice Beach, das sich zu einer Ruinenlandschaft mit hoher Kriminalitätsrate gewandelt hat, treffen sich Jugendliche und nutzen die Bucht zunächst zum Surfen. Aus der Jugendbewegung wächst eine zweite Generation, die das Skateboarden in u.a. leeren Schwimmbecken für sich entdeckt. 1975 nehmen sie als Zephyr-Team an Meisterschaften in Del Mar teil. Ihr Erfolg inspiriert nicht nur Jugendliche auf der ganzen Welt, sondern beeinflusst auch zahlreiche Modelabel und Magazine.


Yvonne Rainer
Working Title: Journeys from Berlin/1971
USA 1979, 125’

Journeys to Berlin/1971 ist ein filmischer Essay über Radikalisierung und Rehabilitation, dessen prägnant dichotome Form in der radikalen Gegenüberstellung von Ton und Bild, Zeit und Erinnerung oder Ideologie und Aktion seiner Zeit weit voraus war. Die Handlung wird von fünf Personen bestimmt: einem Mann, einer Frau und einem Mädchen, die nur auf der Tonspur erscheinen (u. a. gesprochen von Vito Acconci und Amy Taubin), der Patientin eines Psychoanalytikers und dem Analytiker, abwechselnd gespielt von einem Mann, einer Frau und einem neun Jahre alten Jungen. In Collage-Technik werden Gespräche und Statistiken über politische Gewalt in Deutschland oder über Feminismus in einer psychoanalytischen Sitzung verwebt, in der sich eine Frau schrittweise an ihren Selbstmordversuch in Berlin 1971 erinnert. Das zentrale Thema der Beziehung zwischen öffentlicher und privater Sphäre, wird so in einen direkten politischen Kontext gestellt. Als Avantgarde-Filmemacherin mit engen Bezügen zu Tanz und Performance ist Yvonne Rainer den politischen und diskursiven Potenzialen einer Filmsprache verbunden und dekliniert sie fortlaufend neu.